Archive for September 2010

St. Pauli – Borussia Dortmund

September 26, 2010

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Die jungen Wilden drehen auf

6 Spiele, 7 Punkte. Das ist für einen Aufsteiger… ok. Schon im Vorwege habe ich keinen Sieg gegen den BVB erwartet, ein Unentschieden hätte ich sofort unterschrieben. Seit letzter Saison sind die Dortmunder wieder sehr spielgefährlich und erinnern damit an die glorreichen neunziger Jahre. 1997 sah ich Dortmund zum ersten Mal live. Es war im Volkspark und wir verloren 0:1 durch ein Tor von Möller. Die zweite Begegnung war 2001 und wieder gewann Dortmund, diesmal mit 2:1. Dann gab es in der Regionalliga noch ein paar Begegnungen mit Dortmunds Amateuren und nun trifft man sich im Oberhaus wieder. Als wir U-St. Pauli ausstiegen, war alles bunt gemischt. BVB- und St. Pauli-Fans wuselten vor dem Stadion wild durcheinander. Noch schnell ein Bierchen gezischt und rein ging’s.

Der Gästeblock füllte sich recht schnell mit den Farben schwarz und gelb. Ich find’s gut, wenn der Gästeblock mit Fans, lauter Stimmung und vielen Farben gefüllt ist. Denke ich an die Spiele gegen Dortmunds Amateure zurück, war nicht mal eine Handvoll Gästefans da.

Vom Spiel erwartete ich nicht viel. Trotzdem machte ich mir Gedanken um unseren Kader. Naki schon wieder nicht im Team und auch Zambrano war nicht dabei. Nach einer Viertelstunde begann Dortmund mit einem Schuss von Barrios Druck auszuüben. Doch Kessler war sofort zur Stelle und verhinderte ein Tor. Doch nur einige Minuten später Köpfte Großkreutz zum 0:1 ein. Irgendwie mit Ansage. Es dauerte 9 Minuten bis der Ausgleich fiel. Nach schöner Vorarbeit von Takyi und Bartels, versenkte Rouwen Hennings den Ball ins Tor. Mit 1:1 ging es in die Pause, doch es dauerte auch nur 5 Minuten in der zweiten Halbzeit, als Kagawa die die Dortmunder in Führung brachte. „Wenigstens ein Unentschieden erkämpfen“ dachte ich. Aber als Großkreutz die Führung auf 1:3 ausbaute, waren meine Hoffnungen dahin. Es gab hin und wieder einige Chancen für uns, doch im Abschluss mangelte es einfach an der Präzession. Auch der spät eingewechselte Asamoah konnte das Spiel nicht mehr drehen. Immerhin hat es noch zu einem Schlagabtausch mit Weidenfeller gereicht. Haben wir in den anderen Spielen zumindest immer gezeigt, dass wir in der ersten Liga mithalten können, so war der Sieg für Dortmund auf jeden Fall verdient. Daher ärgerte mich diese Niederlage nicht so sehr, wie z.B. das Spiel gegen Köln.

Nach dem Abschluss machten wir uns direkt auf dem Weg nach Hause. Ungewohnt, da wir sonst noch immer Fanladen oder Jolly verweilen. Dementsprechend war die Bahn auch noch recht voll mit abreisenden Fans. Auf dem Heimweg trafen wir noch einen Kumpel von uns und fuhren gemeinsam nach Poppenbüttel. Dort angekommen, versuchten wir mit viel Gesang und guter Laune die Niederlage zu vergessen. Ein Nazi gefiel das nicht so wirklich und versuchte mit einem Hitlergruß den Dicken zu machen. Anschließend fuchtelte er mit einer Glasflasche herum. Der Typ hätte einiges kassiert, aber Leute mit Flaschen in der Hand sind einfach unberechenbar. Daher sind wir kurz zur Wache herüber und mit einigen Polizisten zurück. Der Typ hatte sich dann verpisst und der Sachverhalt wurde soweit aufgenommen.  Den Tag buche ich somit unter der Kategorie „not my day“ ein. – Christoph

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St. Pauli – Stellingen

September 23, 2010

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Hamburg ist braun-weiss

Wochenlanges, ach was red’ ich… Monatelanges Kribbeln lag im Bauch, verursacht durch die Vorfreude auf das Derby. Und dabei habe ich das letzte Spiel gegen die Schwarz-Weiss-Blauen in schlechter Erinnerung. Das Spiel ist bekannt: Meggle verschoss einen Elfer und wir wurden mit 0:4 nach Hause geschickt.

Diesmal sollte alles anders werden. Unsere Truppe ist qualitativ besser als die von 2002 und diesmal fand das Derby bei uns, im Herzen Hamburgs am Millerntor statt. Schon Wochen vor dem Derby kam das übliche Rumgehupe von den hsvern „Warum ist das Derby nicht wieder bei uns?“ „Mehr Karten und bla bla bla“ No way! Das ist UNSER Heimspiel und die Stellinger müssen sich damit abfinden.

Einige Tage vor dem Spiel meinten ein paar Vorstädter, die Stimmung ein wenig einzuheizen, indem sie unser Vereinswappen an der Budapester Straße mit blauer Farbe beschmierten. Das war allerdings eine reine Fuscharbeit und wäre nicht einmal als abstrakte Kunst durchgegangen. Das Wappen war dafür am nächsten Morgen wieder sauber. Hinzu kam Westermanns Äußerung „St. Pauli kann uns nicht das Wasser reichen“ Ja nee, ihr kennt das ja mit dem Hochmut.
Auch die Zeitungen fingen schon Wochen vor dem Spiel an, sich mit dem Thema Derby zu beschäftigen. Überall wurde man praktisch dazu aufgefordert, eine Fanfreundschaft zu schließen. In der einen Zeitung fand man unter anderem ein Fanclub, der zusammen die Spiele der beiden Mannschaften guckt. Direkten support im Stadion finde ich irgendwie besser. Und es gab massenweise Pärchen die im jeweiligen Trikot ihres Lieblingsteams abgedruckt wurden. Hätte nur noch gefehlt: „Das sind Beathe und Klaus. Beim Sex stöhnt sie St. Pauli und er hsv, trotzdem kommen sie gut miteinander klar.“
Ich habe auch einige Kumpel die zum hsv halten, trotzdem jubeln wir nicht zusammen. Sind wir jetzt schlechte Menschen?

Am Derby-Tag wollten wir uns schon sehr früh auf dem Weg machen, um anreisende Stellinger aus dem Weg zu gehen. Melli und ich brunchten vorher noch im Viertel, anschließend kamen Maik und Barbie nach. Wir verweilten vor dem Fanladen und fragten uns, welche Route der Vorstadt-Anhang von Altona aus wohl nehmen wird. Unser Marsch zum Stadion wurde kurzer Hand von der örtlichen Polizei umgeleitet, was allerdings wenig Sinn machte. Damit erreichte die Polizei nur, dass wir uns wild auf der Budapester Straße verstreuten, um den gewohnten Weg weiter zu laufen. Vor dem Stadion sammelten wir die üblichen Verdächtigen auf und bummelten zu unseren Stehplätzen auf der Süd. Kaum waren wir da, ging es mit dem Einsingen auch schon gut los. Was uns allerdings schon vor dem Spiel genervt hat, waren die hsv-Fans auf der Südkurve. Für mich ist die Südkurve immer noch eine „Heimkurve“, auch wenn wir über uns die Business-Seats haben, auf denen wahrscheinlich der ein oder andere Anhänger der jeweiligen Gastmannschaft eingeladen wird. Meiner Meinung nach sollte es eine Regelung geben, die den Zutritt auf die Südkurve untersagt, wenn man an Derby Tagen (gegen HSV / Rostock) Fanutensilien der Gastmannschaft bei sich führt. Diese Regelung gibt es auch in anderen Stadien und macht auch durchaus Sinn, um Provokationen vorzubeugen. Der ein oder andere findet die Idee bestimmt nicht so gut, da der Umgang bisher doch immer recht tolerant ist. Wenn aber einige Idioten vom Volkspark meinen, sie müssten den dicken machen, hört für mich die Toleranz auf. Gegen Mannschaften wie Aachen, Mainz oder Freiburg können von mir aus auch wieder einige Gästefans in ihrem Outfit auf den Sitzplätzen das Spiel beobachten.

So, genug gemeckert… weiter geht’s.

Die Choreo der Schwarz-Weiss-Blauen (und das muss ich echt mal zugeben) war sehr gelungen. Und ich denk noch „Das kann nicht sein, nach der DAZKE-Geschichte ziehen sie nun die zweite Choreo falsch rum über den Block“. Als nach einer halben Minute der Zusatz „Ganz Hamburg steh Kopf für euch“ hinzugefügt wurde, war mir alles klar. Nicht schlecht, schön verarscht haben die uns. Auf unserer Seite gab es ein riesen Konfetti-Inferno, zudem endlich mal wieder einen meiner Lieblings-Chants „Welcome to the Hell of St. Pauli“ mit passendem Spruchband über die ganze Kurve.

Das Spiel wurde durch viel Kampf bestimmt. Dafür hatten wir mehr von der Partie (von wegen „St. Pauli kann uns nicht das Wasser reichen“) Währenddessen gab es vom Gästeblock ein wenig Tapetenterror. Die gleichen Leute, die uns als Zecken bezeichnen, meckern nun über die Yuppisierung in unserem Stadion. Was denn nun? Können sich die Stellinger nicht entscheiden?

Während es mit einem 0:0 in die Pause ging, bekam Frank Rost in der zweiten Halbzeit einen Jahresvorrat an Papierrollen von der Südkurve geschenkt. Es wurden noch einige gute Möglichkeiten erarbeiten, bis in der 77. Minute der Höhepunkt erreicht wurde. Der eingewechselte Gerald Asamoah, bereitete den Ball für Fabion Boll vor, der einfach mal abzog. Und drin war das Ding!!! 1:0 für uns! Gegen die Vorstädter! Geil! Ich habe lang nicht mehr so gejubelt und versuchte jeden in meiner Nähe zu umarmen. Selbst die Leute 5 Reihen unter und über mir wurden abgeklatscht. Das Stadion brodelte. Doch leider ging das Spiel noch 1:1 aus, weil Petric mit seinem Sonntagsschuss noch den Ausgleich erzielte. Wer hätte das gedacht? Am Ende freuten sich die Stellinger über ein Unentschieden am Millerntor. Anschließend ging es noch zum Fanladen, wo wir noch die Polizisten beobachteten, die wie wild hin und her rannten. Danach zum Clubheim, um die letzten Minuten vom Dortmund-Schalke Spiel zu sehen. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich eine rote Pfütze am Jolly. Das muss vergossener Rotwein sein dachte ich. Wie sich rausstellte, war es wohl das Blut von einem hsver. Einige von denen wollten das Jolly angreifen und er bekam eine Flasche an den Kopf (so wurde es mir berichtet). Da hält sich das Mitleid doch in Grenzen! Selber Schuld! – Christoph