Archive for Februar 2011

Stellingen – St. Pauli

Februar 22, 2011

Bene, Asamoah und mein Lieblingsschal

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Kribbeln im Bauch, unruhiger Schlaf, Anspannung. Das alles verrät dir, es ist wieder Derby-Zeit. Ich denke neun Jahre zurück und finde mich als 16-Jährigen im ungeliebten Volksparkstadion wieder. Es stand 0:4 für die Rauten und das alles betrachtete ich aus der allerletzten Reihe der Betonschüssel. Die Dachverschraubung wirkte auf mich größer, als die Spieler auf dem Platz. Sowieso waren wir alle ganz klein an diesem Tag. Fühlten sich die Rauten doch in ihrer Aussage bestätigt, dass der FC St. Pauli in dieser Saison keine große Rolle in der Liga spielen würde. Ab Mai 2002 ging es dann runter mit unserem FC. Und zwar so richtig runter. Als ob du im Fahrstuhl stehst und die Seile reissen…. Du donnerst herunter, doch ein letzter dünner Faden fängt den Lift kurz vor dem Aufschlag auf. Du machst langsam und mühevoll die Tür auf und findest dich im Stockwerk der dritten Liga wieder. Ein Derby gegen den hsv gibt es auch da, nur ist es jetzt gegen die zweite Mannschaft vom Stadtrand. Es ist einfach nicht das Gleiche, gegen deren Nachwuchs zu kicken. Und so stand ich da auf der Gegengerade im Sommer 2003, als wir 3:0 gegen die kleinen Rauten führten, die untergehende Sonne mich blendete und ich mich fragte, wann und ob es wohl wieder ein richtiges Derby geben würde.

Seit dem Jahr 2010 sind wir nun wieder da. Im Hinspiel haben wir uns mit dem 1:1 ganz gut geschlagen und hätten fast die Sensation geschafft. Wie sollte es nun im Volkspark werden? Die Frage beschäftigte mich schon seit Ende letzten Jahres. Karten für das Rückspiel reservieren? Ja klar! Doch haben wir alle im Fanclub gesagt, dass wir Stehplätze oder günstige Sitzplätze haben wollten. Bei den Preisen, die der Stadtrandverein verlangt, wollten wir eine konsequente Grenze ziehen. Kein Fuffi für nen‘ Sitzer! Eine E-Mail an das Kartencenter und den Fanladen brachten leider nicht den gewünschten Erfolg. Jeweils nur noch die Sitzer für den Fuffi zur Verfügung. Oder doch schwach werden? Nein, irgendwo hört’s dann auch auf. Ich werfe dem hsv nicht wie ein Vollidiot Geld in den Rachen. Also würden wir zu Hause eine kleine Derby-Party machen und das Spiel vor dem Fernseher verfolgen. Meine Rettung kam beim Gladbach-Spiel. Zecke und Jessy teilten mir mit, das zwei Leute abgesprungen sind und die nun die Karten über haben. Zwei Karten für jeweils 38€. Maik und ich griffen sofort zu.

Nun also doch im Stadion und das an einem Mittwoch um 18:45 Uhr. Spontan habe ich mir noch einen halben Tag freigenommen. Um 13 Uhr war ich im Clubheim, trank eine Cola und wartete auf Maik. Mit dabei war mein Glücksschal. Eigentlich ist es ein normaler Balkenschal und an kalten Tagen hab ich ihn eh immer um. Aber ich habe ihn am 26.11.2005 im Fanshop geholt. Damals in den altern Containern, kurz bevor wir uns zum Derby-Marsch gegen die Zwote vom hsv am Südkurvenplatz getroffen haben. Das Spiel gewannen wir 4:0 seit dem passe ich immer auf den Schal auf. Er brachte mir schon bei der mündlichen Abschlussprüfung meiner Ausbildung Glück. Ich betrat den Raum in der Handelskammer und hatte den Schal um. Ein Prüfer fragte gleich mit ernstem Blick: „St. Pauli Fan?“ „Ja!“ antworte ich mit zittriger Stimme. „Gut, das gibt gleich ein paar Extrapunkte“ sagte er daraufhin. Ich war erleichtert und etwas Prüfungsangst schwand dahin. Bestanden habe ich auch, dank dem Schal. Zurück zum Geschehen: Nach dem Clubheim ging es rüber ins Jolly. Eine Handvoll Leute war zu diesem Zeitpunkt vor Ort und wir machten es uns drin ein wenig gemütlich. Ein paar Astra. Nicht zu viele, behalte ich doch einen klaren Kopf bei so einem Spiel. Einige Leute trudelten noch ein und gemeinsam machten wir uns auf den Weg in Richtung Sternschanze. Dort in die S-Bahn und weiter ging es nach Othmarschen und dort auf mehr Anhang und die Shuttle-Busse warten. Die Cops waren auch schon da, aber alles verlief super entspannt. Ich glaube, wir waren direkt im ersten oder zweiten Bus drin. Ein langer Weg, soweit Abseits am Stadtrand, doch die Betonschüssel kam immer näher. So wirklich schön finde ich das Stadion nicht. Von außen sieht es an allen Seiten gleich aus und innen ist es aalglatt. Wir warteten etwas und Maik traf zufällig seinen Arbeits-Kollegen. Er ist hsver und zusammen durften sie gleich mal ein Interview für Eurosport geben. Etwas später kamen auch Zecke und Jessy und übergaben uns die Karten. Nach einer Weile beim Anstehen kam ich nun an den ersten Ordner vorbei. „Haben Sie irgendwelche Waffen, Feuerwerkskörper oder Wurfgegenstände bei sich?“ fragte er mich. „Wenn ich was dabei hätte, würde ich es doch bestimmt nicht sagen, oder?“ Kommentarlos tastete er mich ab. Weiter geht’s zum elektronischen Einlasssystem. Finde ich das persönliche Abreissen der Karte durch einen Ordner irgendwie cooler, also so schön oldschool. Aber hat so ein System doch den Vorteil, das verbummelte (Dauer)Karten gesperrt und neu ausgehändigt werden können.  Nun waren wir drin und es ging ganz nach oben in den Block. Genauer gesagt in den Bereich 14C. Die Sicht war ganz gut und ans Sitzen dachte sowieso keiner. Die Simulanten, Magic St. Pauli und Lolo waren mit uns am Start. Die Vorfreude stieg immer weiter an.

Choreos waren natürlich auch am Start. Auf der hsv-Seite gab es ein riesen Teil über die ganze Kurve. War so ein „Wir-sind-hier-immer-noch-der-traditionellere-Verein-à la-e.V.“-Ding. Von uns gab es einfach schöne braun-weisse Oldschool-Fahnen. Vor dem Spiel habe ich ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen, das Bene für die Startelf vorgesehen war. Ich vertraue Bene und halte ihn für einen super Torwart, dennoch machte ich mir Sorgen um Kessler. Aber gar nichts los, alles in Butter! Kessler ging’s gut und es war einfach nur eine Absprache mit Stani. Man muss ja ehrlich zugeben, dass die Rauten in der ersten Hälfte das Spiel machten. Gefühlte tausendmal vor unserem Tor, und es schien nur eine Frage der Zeit, bis die Schwarz-weiss-blauen in Führung gehen würden. Die Stimmung auf unserer Seite war am Anfang nicht so optimal. Da es einige Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Unter- und Oberrang gab. Aber das pendelte sich so langsam ein. Irgendwann war Halbzeit und ich war froh, dass es 0:0 stand. Was mir Mut machte, war der Gedanke, dass es schlechter ja nicht werden könne. In der zweiten Hälfte ging es rasant weiter und Zé Roberto kam zu einer guten Möglichkeit. Traf aber nur das Außennetz. Boah, mein Herz blieb stehen! Es gab noch einige Chancen der hsver, aber zum Glück waren die alle zu doof das Tor zu treffen. Aber dann kam die 59. Minute! Markus Thorandt raste über den Flügel und flankte den Ball in die Mitte. Rost musste klären, denn das Ding wäre sonst reingegangen. Es folgte eine Ecke von Max Kruse, Fabian Boll verlängerte und Gerald Asamoah köpft das Ding rein! JAAAAAAAAAAAA! Alles bebte! Jetzt haben wir die Führung, die darf nur nicht verspielt werden. Ein unglaubliches Gefühl! Die Führung und das im Volkspark!
Von nun an sprang ich vor lauter Aufregung auf und ab. Zecke neben mir war ganz ruhig. Ich beneidete ihn, denn ich war viel zu aufgewühlt. Zwischendurch musste Asamoah verletzt vom Platz. Nur nicht verrückt machen lassen. Wir bekamen sogar noch eine gute Konterchance durch Marius Ebbers, die aber leider nicht genutzt wurde. Es gab auch noch einige gute Chancen der Rauten. Ich hab mich umgedreht, dann wieder hingeschaut, ich hockte mich hin, stand wieder auf… alles vor Aufregung. Dann die Nachspielzeit: VIER MINUTEN! Wenn man in Führung ist, kommt einem die Zeit doppelt so lang vor.  Aber es blieb bei dem 1:0 für uns. Ich war baff, ich glaube wir alle waren baff. So konnte ich es noch gar nicht glauben und habe dennoch jeden umarmt der mir in die Quere kam. Ein unglaubliches Gefühl! DERBYSIEG!!! YES BABY! Ich wollte gar nicht mehr weg! Stundenlang hätte ich mit der Mannschaft noch feiern können. Einfach GEIL!  Vielen Dank an Bene, für diese klasse Leistung im Spiel! Vielen Dank Asamoah, mit deinem Tor hast du Geschichte geschrieben! Vielen Dank an alle des FC St. Pauli!

Die Rückfahrt war sehr entspannt. Ok, langes Warten auf die Busse, die uns wieder nach Othmarschen bringen sollten. Aber kein Stress und nur vereinzelt hsver, die mir den Weg kreuzten. Ein Bier auf dem Weg, meinen Lieblingsschal nochmal fest umgebunden und ab nach Hause. An schlafen war aber noch lange nicht zu denken! – Christoph

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St. Pauli – Borussia Mönchengladbach

Februar 14, 2011

Kind der Neunziger

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Wenn man zwei Tage vor dem Spieltag die Zeitungen aufschlug, hätte einem ja wieder angst und bange werden können. „Seit so und so lange konnte St. Pauli zu Hause nicht mehr gegen Gladbach gewinnen“ Ich erinnere mich an 1996 zurück, als ich 10 Jahre alt war. Dieter, ein sehr guter Freund von mir, kam vorbei und fragte mich, ob wir im Vereinshaus vom TSV Sasel Fußballgucken wollten. St. Pauli gegen die Borussia aus Mönchengladbach. Ich weiss noch, dass ich an diesem Tag total lustlos war und zuerst gar nicht mitkommen wollte. „Komm schon“ sagte Dieter. „Was bist du denn für ein St. Pauli Fan?“ Irgendwie überredete er mich dann doch. So saßen wir im Vereinshaus, tranken Cola und feuerten St. Pauli an. Wir verloren das Spiel und somit fühlte mich in meiner Bocklosigkeit bestätigt. Dieter ist seit dem Abstieg 1997 übrigens hsv-Fan, so viel also zum Thema „Was bist du denn für ein St. Pauli Fan?“

An diesem Samstag hatte ich aber ein gutes Gefühl. Haben wir doch schon gegen Köln gezeigt, dass solche Statistiken nichts zu sagen haben.  Ich fuhr allein zum Stadion, da der Rest der Konsorten wieder bummelte. Zwischen dem Telekom-Gebäude und der Südkurve angekommen hörte ich schon jemanden laut rufen „Chriiisch!“ Ich blickte mich um, da stand Stefan von den Simulanten. Er drehte mir gleich die Fanräume-Zeitung an, von denen ich dann sofort zwei Exemplare käuflich erworben habe. Darin gab es gleich ein paar Sticker für das neue St. Pauli-Panini Album. Das Heft selbst gibt es kostenlos, so habe ich mir gleich am Fanräume-Stand eins mitgenommen. Wieder war ich Gedanklich in den Neunzigern angekommen. Denn ich traf währenddessen Zecke und Jessy und wir sprachen darüber, wie man auf dem Schulhof diese Dinger noch getauscht hatte. Kurz darauf machten wir uns noch auf dem Weg zum AFM-Container um meinen neuen Bring Back St. Pauli-Schal abzuholen. Ein geiles Teil, an dieser Stelle vielen Dank an den Forums-User LeChuck der die ganze Bestellung gemacht hat! Danach ging es wieder in Richtung Südkurve und auch schon bald rein ins Stadion. Das übliche folgte: Banner rantüdeln, die restlichen Leute begrüßen und die Hände abfrieren. War es doch im Vergleich zu den letzten Tagen recht kalt. Naja, der Winter ist halt noch nicht ganz vorbei. Bunte Luftballons wurden verteilt und Doppelhalter plus Tapeten huldigten dem Graffiti-Sprayer „OZ“. Ich weiss, der Typ ist nicht ganz unumstritten, aber fanden wir doch sein Take früher als Kiddies schon cool. Und wieder bin ich in den Neunzigern angekommen. Damals fragten wir uns, wie viele Graffitis er wohl schon an die Wand gezaubert hatte. Ein Freund von mir, dessen Vater Polizist ist, sagte sogar stolz: „Mein Vater durfte ihn mal festnehmen“ Man beachte: „durfte“. Es war also schon so etwas wie eine Ehre, ihn zu schnappen. Ja, ja ich weiss… trotzdem umstritten der gute Mann. Einige halten ihn für beknackt, andere für cool. Ich hingegen mochte schon immer die kleinen bunten Bildchen mit dem freundlichen Smiley.

Das Spiel? War super! Naja, die erste Halbzeit fand ich ja nicht so dufte, besonders nicht als das 0:1 für Mönchengladbach fiel. Ärgerlich! Besonders da das Tor nach einem Missglückten Rückpass von Moritz Volz fiel. Aufreger des Spiels war die Szene zwischen de Camargo und Lehmann. Lehmann ging mit einer Grätsche hart in den Zweikampf, aber spielte den Ball. De Camargo ließ sich daraufhin dummerweise zu einem leichten Kopfstoß hinreißen. Sollte man nicht tun, man sollte sich aber auch an Lehmanns Stelle bei einer leichten Kopfberührung nicht so leicht zum Hinfallen verleiten lassen. Nun ja, Rot für de Camargo. Die rote Karte halte ich trotz der etwas übertriebenen Aktion von Lehmann für gerechtfertigt. Kopfstoß ist Kopfstoß, Punkt aus.
Das 1:1 war ein Traumtor. Volz hatte sich bis dahin wieder berappelt, Asamoah kommt im Strafraum an den Ball, hebt ihn an und Kruse donnert ihn per Volley ins Tornetz. Geil!

In Hälfte Zwei ging es auch gut weiter. Takyi spielt in die Mitte, Asamoah muss nur noch reinrutschen und das Ding ist drin! Viel Gewusel im Strafraum, aber es stand 2:1. An den letzten Treffern der vergangenen Spiele war Asamoah direkt oder indirekt immer beteiligt. Daher ein guter und wichtiger Mann für uns. Das 3:1 fiel nur fünf Minuten später. Nach einem langen Pass von Kruse auf Lehmann, der mit einem Linksschuss den Ball ins Tor schoss.  Danach gab es noch einige Chancen, z.B. von Gunesch, Kruse, Sukuta-Pasu und Marius Ebbers. Das wäre aber auch vielleicht zu viel des Guten gewesen. Auffällig, dass die meisten Chancen durch lange Bälle aus dem Mittelfeld entstanden. Nun ja, 3:1 gewonnen und alle haben gute Laune. Nach dem Spiel ging es noch kurz mit Maiks Chefin auf ein Bier ins Clubheim. Mein roter Schal erfreute sich übrigens totaler Beliebtheit, so dass ich demnächst für die anderen auch einen besorgen muss. Grüße gehen diesmal an die Leute der Cosa Nostra: Danke für die Aufkleber! – Christoph