Archive for März 2011

Wir sind St. Pauli! Nur was sind wir?

März 31, 2011

Was hat mich zum magischen FC getrieben?

Dann möchte ich auch mal erzählen, wie ich meinen Weg zu unserem Verein gefunden habe. Es war 1995 als mein Opa mit seinem Kumpel ein St. Pauli-Spiel besuchte. Von diesem Erlebnis war er selbst so begeistert, dass er zu mir sagte, ich sollte dort auch mal hingehen. Die Stimmung sei gut und die Fans nett. Ich begann mich für den Verein zu interessieren. Obwohl ich damals noch kein Spiel live gesehen hatte, war ich fasziniert. Ich sammelte jeden Tag Zeitungsartikel, bekam ein Trikot und St. Pauli Bettwäsche zu Weihnachten. 1996 war es dann soweit, das erste Spiel das ich hautnah mitverfolgen konnte. Es war das Eröffnungsspiel der Saison gegen Bayern im alten Volksparkstadion. Durch einen Treffer von Martin Driller gingen wir in Führung. Ich klebte ganz unten am Zaun und war einfach nur überwältigt von den tausenden Fans hinter mir.  Am Ende verlor St. Pauli, aber das war nicht so wichtig. Am Schluss hörte man nur noch lautstark „You’ll never walk alone“ Bis dahin kannte ich dieses Lied noch gar nicht, versuchte dennoch mitzusingen. Ein einziges Gänsehauterlebnis, dass ich nie vergessen werde. Ich war damals zu jung, um heute behaupten zu können, ich habe mir den Verein wegen der politischen Gesinnung ausgesucht. Ich wuchs eher automatisch damit auf. Das Nazis böse Menschen sind, wusste ich schon vorher. Aber man lernte auch den Mund aufzumachen. Den Mund aufmachen gegen Menschen, die meinen Sexismus oder Intoleranz in unserem Stadion verbreiten zu müssen. Und dieser Widerstand wird auch nach draußen getragen, in das Viertel, in die Stadt. Er richtet sich gegen Menschen, die einen Naziladen eröffnen, die Leute aus dem Viertel durch hohe Mieten vertreiben oder gegen Politiker die Bambule an den Kragen wollten.

Gegenwart

Und schon bin ich im „hier und jetzt“ angekommen. Wir spielen in der ersten Liga und dies zieht nun seit dem Sommer 2010 auch Menschen zu uns, die in unteren Ligen nichts mit uns, dem FC St. Pauli, zu tun haben wollten. Durch fragwürdige Werbemaßnahmen, Unmengen an Business-Seats und sonstigem Schnickschnack wird diesen Leuten auch noch ein roter Teppich ausgerollt. Es ist so „kultig“ bei uns. Es ist so „anders“ hört man besonders von Menschen, die nicht wirklich in der Materie drin sind und unseren Verein eher konsumieren statt zu leben. Wenn man diese Leute fragt, was denn so „kultig“ oder „anders“ bei uns ist kommt zum Beispiel so was wie „Ja, St. Pauli-Fans sind gegen Nazis und so“ Was ist daran so kultig? Sollte das nicht eine Selbstverständlichkeit sein? „Der FC St. Pauli hat dieses gewisse Rotlichtflair“ Findest du? Finde ich nicht! Gerade das macht den Verein aus. Denke ich an unseren FC, denke ich gleichzeitig an das Viertel. Ich denke an die Menschen im Viertel, an die kleinen alten Läden die immer weniger und von Großmarktketten verdrängt werden, denke an soziales Engagement. Natürlich gehört auch der Kiez zum Viertel, mit all seinen bunten Lichtern. Und natürlich bin ich an den Wochenenden manchmal selbst dort in kleinen coolen Clubs zum abrocken. Aber die oben genannten Dinge sind halt die, an die ich zuerst denke. Die Leute, die nur am Wochenende auf St. Pauli zu finden sind und in der Loge sitzen oder einmal im Jahr den Dom besuchen, kennen es daher vielleicht gar nicht anders. Einmal für 90 Minuten den kultigen Fan abgeben und dann wieder nach Hause gehen. Die Frage „Warum bin ich eigentlich noch hier?“, habe ich mir schon ein paar Mal gestellt. Und dann weiss ich es wieder. Es sind die Menschen um mich herum, die alles für den FC und dem Stadtteil geben. Die stundenlang Choreos und Auswärtsfahrten vorbereiten, die finanziell schwache Menschen im Viertel unterstützen oder nach einem Spiel am Millerntor noch genug Stimme haben, um diese bei einer Demo rauszulassen. Das zeigt mir, dass der FC und sein Stadtteil zusammen gehören. Das macht es für mich aus. Es ist mehr als 90 Minuten Fußball gucken und danach nach Hause fahren.

Zukunft

Ich hoffe natürlich, dass es weiterhin Leute gibt, die sich zu 1910 Prozent ins Zeugs legen. Leute, die eine Jolly Rouge-Aktion mittragen, Leute die weiterhin ihren Mund gegen Nazis und Sexisten aufmachen, die weiterhin Soli-Aktionen für bestimmte Projekte starten. Darum bin ich bei St. Pauli! Weil ich weiss, das es ganz viele andere Leute gibt die genauso verliebt sind wie ich. Verliebt in den Magischen FC! – Christoph

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St. Pauli – VfB Stuttgart

März 16, 2011

Warum bist du eigentlich bei St. Pauli?

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Ist es ein Fluch? Sind wir jetzt verhext? Nach dem Derbysieg läuft es nicht mehr. Schuld ist meiner Meinung nach auch unser großes Verletzungspech in der Abwehr. Es soll keine Ausrede für die Niederlagen sein. Aber ich glaube, wenn Zambrano und Oczipka fit wären, würden wir noch immer auf Platz 11 oder 12 stehen. Ja, ich weiss… hätte, würde, könnte. Aber diese beiden Ausfälle bis Saisonende ärgern mich richtig. Dabei startete der Sonntag für mich recht fröhlich. Endlich war es wieder warm und man konnte sich ohne Jacke auf den Weg machen. Vor dem AFM-Container haben wir noch eine kleine Menge vorbestellter BBSP-Schals abgeholt. Nun ist auch die restliche Bezugsgruppe glücklich! Hier nochmal vielen Dank für die schönen Teile, der ganzen Orga usw. Danach ab zum Jolly, die Magic St. Pauli Rabauken getroffen. Bis kurz vor dem Spiel war ich doch noch recht müde und schlapp. Das kommt davon, wenn man am Vorabend zu lang unterwegs ist. Das legte sich aber schlagartig, als ich und einige um mich herum mit dem Einsingen anfingen. Weg war die Müdigkeit und purer Optimismus machte sich breit. Gegen Stuttgart können und müssen wir gewinnen. Also, alles geben!

Die wichtige Frage nach „Wie wird wohl das Spiel ausgehen?“ war an diesem Tag „Warum bist du eigentlich bei St. Pauli?“ Eine berechtigte Frage, die bei aller Kritik an der Vereinsführung auch an uns gestellt werden kann. Weitere Inhalte findet ihr im folgendem Link: www.warum-bist-du-bei-sankt-pauli.de

Kurz vor dem Anstoß wurde mir dann auch wieder bewusst, wie unbedeutend Fußball sein kann, im Vergleich zu den aktuellen Geschehnissen in Japan. Eine Schweigeminute wurde eingelegt und habe ich mich letztens noch über die niveaulosen Hannoveraner aufgeregt, waren es hier irgendwelche „Alles-Kultich-Bei-St. Pauli-Saufspacken“ auf der Gegengerade, die die Schweigeminute störten. Egal wie nah einem so eine Katastrophe wie in Japan geht, ich halte schon aus Respekt meine Klappe. Mental warf ich diesen Typen die „Warum seid ihr eigentlich hier?“ Frage rüber.

Zum Spiel kann ich wieder nicht viel sagen. Zu sehr habe ich mich über unsere Führung durch Boll gefreut. Zu niedergeschmettert war ich beim Siegtreffer von Schipplock für den VfB in der 88. Minute. Es gab während des Spiels viele kleine gute Aktionen von uns. Aber was bringt es dir, wenn du den Ball immer wieder verdaddelst, anstatt ihn abzuspielen oder mal direkt draufschießt?

Gefrustet ging es zur U-Bahn und als wir auf dem Bahnsteig warteten, unterhielten sich grade zwei Stuttgarter mit einem St. Pauli-Fan. „Ich hoffe, wir sehen uns in der nächsten Saison wieder und zwar in der ersten Liga“ sagte der eine Anhänger vom VfB“ Was der St. Pauli-Fan antwortete, habe ich nicht ganz verstanden. Aber so richtig optimistisch klang es auch nicht. Die Einführung der Relegationsplätze habe ich damals vor zwei Jahren verflucht. Seit ein paar Tagen ist ein solcher Relegationsplatz allerdings ein kleiner rettender Strohhalm für mich. Ich hoffe, wir müssen uns nicht an ihn klammern. – Christoph

St. Pauli – Hannover 96

März 1, 2011

Vier unbeschwerte Tauben

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Die Sonne schien, aber schön kalt war es an diesem Samstag. Für einen Februar recht ok, trotzdem freue ich mich schon darauf, wenn die Temperaturen wieder ansteigen. So zog ich meine Jacke und den BBSP-Schal (ich dachte, Hannover würden wir auch ohne meinen Lieblingsschal schlagen) an und ging aus dem Haus. Maik und Barbie durften an diesem Tag Babysitten und waren nicht am Start. Also fuhr ich mal wieder alleine los. Am Poppenbüttler Bahnhof noch eine Hinz und Kunz und nen‘ Eistee aus der Dose gekauft und bis zur Kellinghusenstraße gefahren. Dort traf ich Benny und es ging von dort aus gemeinsam zur Brigittenstraße. Wir waren pünktlich zum Derbysieger-Gruppenfoto da und machten ein wenig Remmidemmi. Danach kurz in den Laden und den neuen „Sankt Pauli – Millerntor“ Schal besorgt. Schon wieder ein Schal? Ja, die Teile sehen einfach geil aus. Ob es mein Balkenschal ist, der rote Bring Back St. Pauli- oder der ganz neue Schal. Alles heiße Teile!
Wieder raus aus dem Laden und mit den liebenswerten Menschen von Magic St. Pauli weiter zum Jolly gewandert. Stickertausch war angesagt. Naja zumindest für die anderen. Denn ich habe meine noch nicht alle verklebt um zu checken, welche ich noch wirklich brauche.

Nach einem Bier und zwei Sticker später ging es denn nun los zum Stadion. Wieder mal Alkoholverbot. Ich erwähnte schon mal, dass ich solche Verbote eh nicht nachvollziehen kann. Wer saufen will, säuft eh.  Und kippt sich vielleicht sogar dadurch mehr als üblich rein. Und im Stadion macht Cola mit Schuss die Runde. Naja, mir ist das im Endeffekt egal. Muss ich nicht während des Spiels die ganze Zeit Bier trinken. Als wir dann vor dem Eingang Süd / Haupt waren, fiel mir auf, dass die Kita Ecke von außen noch immer nicht fertig ist. Das Mosaikmuster ist nur zur Hälfte drauf. Schade eigentlich, wird mal Zeit das diese Ecke im vollen Glanz erstrahlt.

Als die Mannschaft dann zum Warmmachen ins Stadion kam, gab es für jeden Spieler eine Dankes-Tapete. Stadtmeister sind wir ja bekanntlich! Yeah! Kurz vor dem Anpfiff gab es dann eine Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen Ernst Schacht (Vereinspräsident von 1970–1979) Einige Idioten aus dem Gästeblock unterbrachen die Stille aber mit „Scheiß St. Pauli“-Rufen. Widerlich! Wenn ich irgendwo zu Gast bin, auch wenn ich den gegnerischen Verein nicht mag, halte ich schon aus Respekt bei einer Schweigeminute die Klappe. Dreckspack! Sorry, is so!

Das Spiel war nicht so berauschend. Viele Verletzte und einen scheiß Rasen. Aber, wir spielen darauf wenigstens Fußball. Nicht so wie ein anderer Verein, der… ach egal ihr kennt ja die Geschichte vom Vorstadtclub 😉 Durch den Mangel an Spielern rückten Hauke Brückner und Jan-Philipp Kalla in den Kader nach. Schnecke spielte gleich von Beginn an und zeigte eine recht ordentliche Leistung. Abgelenkt haben mich während des Spiels aber immer wieder die vier Tauben auf dem Feld. Diese pickten sich fröhlich irgendwelche Krümel vom Feld und ließen sich von den Spielern nicht stören. Und wenn die Kicker doch mal in Ihre Nähe kamen, hüpften sie einfach ein paar Meter vorwärts und verweilten weiter auf dem Platz. Ein totaler Grottenkick, aber vier unbeschwerte Tauben auf dem Platz, die ihr eigenes Ding machten… genial!

Zum Spiel will ich aber nicht mehr viel sagen. Nur das Cherundolo eigentlich eine rote Karte hätte kriegen müssen. Der trat den liegenden Asamoah volle Kanne ins Gesicht. Der Schiri steht nur zwei Meter daneben und sieht es nicht. Unerklärlich für mich! Nächste kuriose Szene war für mich die Ecke, die keine war und dann doch nicht gegeben  wurde. Aber man muss zugeben, auch ich auf der Tribüne (und ich übersehe teilweise schon einiges) habe klar erkannt, dass es keine Ecke war. So mussten wir doch alle schmunzeln. Aber der Eckstoß wurde, nachdem sich alle eine Minute lang positionierten, abgebrochen und es gab nur einen Abstoß. Im Gegenzug bekam Hannover dann einen Eckstoß…. Kopfball drin… Scheiße! 0:1 in der vorletzten Minute verloren. Das Spiel wäre eigentlich ein typisches 0:0 gewesen. Sehr ärgerlich! Beim Gegentor wurde mir allerdings wieder bewusst, dass etwas komplett schief läuft bei uns. Fast der halbe Oberrang der Südkurve sprang beim Tor der Hannoveraner jubelnd auf. Das kann nicht sein oder? So langsam sollte man was dagegen tun. Ich sagte schon mal: Vor oder nach dem Spiel mit Gästefans einen trinken geht immer klar, solange die sich auch benehmen. Aber in der Südkurve will ich die nicht haben. Zumindest keine, die so dermaßen provozieren. Es gab nämlich einige Pöbeleien von den Idioten über uns. Es kann einfach nicht sein, das die Gästefans sich in unsere Kurve stellen / setzen und meinen sie könnten sich alles erlauben. Ich hoffe, da wird sich in nächster Zeit was ändern. Geknickt ging es ins Clubheim, wo Benny und ich noch das Spiel des kommenden deutschen Meisters gegen Bayern München sahen. Anschließend nach Hause. – Christoph